Landrat Pusch überreicht Bundesverdienstkreuz an Witwe von Klaus Eberl

Landrat Stephan Pusch hat in Wassenberg den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Irmgard Eberl ausgehändigt. Das Verdienstkreuz am Bande war ihrem Ehemann, Oberkirchenrat i.R. Klaus Eberl aus Wassenberg, kurz vor seinem Tod verliehen worden. An der Übergabe nahmen neben dem Landrat im kleinen Kreis Verwandte und Freunde der Familie Eberl, Superintendent Jens Sannig (Kirchenkreis Jülich) sowie die stellvertretende Landrätin Jutta Schwinkendorf teil.

Gemeinsam mit Hans-Joachim Schwabe aus Schwalmtal hatte Jutta Schwinkendorf den Vorschlag für die Auszeichnung unterbreitet. „Durch sein jahrzehntelanges Engagement im sozialen und kirchlichen Bereich hat Klaus Eberl auszeichnungswürdige Verdienste erworben“, sagte Landrat Stephan Pusch. Klaus Eberl sei weit über die Grenzen des Kreises Heinsberg hinaus bekannt und geschätzt gewesen – als Seelsorger, Brückenbauer zwischen Kirche und Gesellschaft, und als Mensch, der mit seinem außergewöhnlichen Wirken viele berührt habe.

Bis zu seinem Ruhestand 2018 war Klaus Eberl Oberkirchenrat der Evangelischen Kirche im Rheinland und leitete dort die Abteilung Erziehung und Bildung. Von 2005 bis 2018 war er zudem Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland. Besonders prägend war sein Einsatz für Menschen mit Behinderung in der russischen Stadt Pskow. Nach einer Reise im Jahr 1991 entwickelte er gemeinsam mit Eltern vor Ort die Idee einer qualifizierten Betreuung für Kinder mit Behinderung. Dank seines Engagements entstand 1993 das Heilpädagogische Zentrum Pskow (HPZ), dessen Aufbau er mit Fördermitteln, fachlicher Begleitung und großem persönlichem Einsatz vorantrieb. Heute werden dort rund 500 Kinder an fünf Standorten gefördert. Das Modell findet international Beachtung.

Klaus Eberl gründete zudem die „Initiative Pskow“ als Dachorganisation deutscher Aktivitäten in der Region und unterstützte weitere Einrichtungen wie eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung, Frühförderangebote und Ausbildungsprogramme. Über zwei Jahrzehnte reiste er regelmäßig nach Pskow und organisierte Fachkonferenzen sowie öffentlichkeitswirksame Projekte, darunter eine Fahrradtour mit Jugendlichen zur Spendengewinnung. Auch in Deutschland engagierte er sich nachhaltig, unter anderem im Lions Club Selfkant, als Zweiter Vorsitzender des Christlichen Kindervereins Wassenberg e.V. sowie in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen in Wassenberg. Auf seine Initiative hin wurde die Gesamtschule in Wassenberg nach Betty Reis benannt.

Für sein Wirken wurde Klaus Eberl vielfach geehrt, unter anderem im Jahr 2000 als Ehrenbürger der Stadt Pskow. Sechs Jahre später erhielt er den Preis „Begegnung 2006“ der Stiftung Kreissparkasse zur Förderung der Internationalen Gesinnung, des Völkerverständigungsgedankens und der Toleranz. „Sein Tod ist ein großer Verlust für seine Familie, seine Heimatgemeinde und den Kreis Heinsberg“, sagte Landrat Pusch, „mit seinem Wirken hat er vielen Menschen Hoffnung und neue Perspektiven geschenkt. Viele in unserer Region erinnern sich an seine klugen Worte, seine stille Stärke und seine Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten Hoffnung zu schenken.“ Klaus Eberl bleibe den Menschen im Kreis Heinsberg als liebenswürdiger, engagierter und charismatischer Mensch in Erinnerung, der sich trotz seiner schweren Krankheiten bis zuletzt für Menschen mit Beeinträchtigung, für Frieden und Völkerverständigung in besonderer Weise eingesetzt habe.

Landrat Stephan Pusch hat in Wassenberg den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Irmgard Eberl ausgehändigt. Foto: Jens Sannig
Landrat Stephan Pusch hat in Wassenberg den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland an Irmgard Eberl ausgehändigt. Foto: Jens Sannig