Wespen, Hornissen & Co.

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Mit dem Frühjahr beginnt auch die Zeit von Hornissen, Bienen, Hummeln, Wespen und Co. Sieht man im April und Mai nur vereinzelte Exemplare, so wachsen die Völker dieser sozialen Tiere ab Juni explosionsartig.

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Nester

Hornissen und Wespen bauen ihre Nester gerne in dunklen Hohlräumen wie Baumhöhlen oder Nistkästen, aber auch auf Dachböden oder in Rollladenkästen. Oft genügt schon ein kleiner Spalt als Eingang. So wird ein Nest meist erst entdeckt, wenn es bereits eine größere Zahl an Tieren beherbergt und ein reger Flugverkehr zu beobachten ist. Ein Staat kann wenige hundert Tiere (Hornissen, Hummeln), aber auch bis zu einigen tausend Tieren (Wespen, Bienen) beherbergen. Hornissen und Bienen ziehen auch gerne einmal um, wenn es ihnen zu eng wird. Aggressiv reagieren diese Tiere meist nur dann, wenn man ihrem Nest zu nahe kommt.

Die Völker von Hummeln, Wespen und Hornissen sind einjährig. Dies bedeutet, dass am Ende der Saison (Herbst) nur die frisch geschlüpften Jungköniginnen überleben und an einem geschützten Ort überwintern. Diese Königinnen gründen dann im darauffolgenden Frühjahr neue Staaten. Dafür werden immer auch neue Nester gebaut. Verlassene Nester sind daher nicht geschützt und dürfen bei Bedarf ohne Genehmigung entfernt werden. Lediglich Bienenstaaten überdauern als ganzes Volk (mit den sog. Winterbienen) den Winter und beginnen im darauffolgenden Frühjahr einen neuen Zyklus im selben Nest.

Schutzstatus in Deutschland

Gemäß der Bundesartenschutzverordnung sind in Deutschland alle heimischen Bienen- und Hummelarten, die Hornisse sowie alle heimischen Kreiselwespen und Knopfhornwespen besonders geschützt. Dies bedeutet, dass man die Tiere weder töten, noch verletzen oder ihre Nester zerstören darf (§ 44 Bundesnaturschutzgesetz).

In besonderen Fällen, etwa bei Nestern in Rollladenkästen, kann geprüft werden, ob eine Bekämpfung gerechtfertigt ist oder ob es zumutbare Alternativen gibt. Denn für die Bekämpfung muss eine Befreiung von den Verboten des Bundesnaturschutzgesetzes bei der unteren Naturschutzbehörde beantragt werden. Diese kostet 30 , wird jedoch nur bei Vorlage zwingender Gründe erteilt. Ob dies der Fall ist kann jedoch nur einzelfallbezogen entschieden werden. Sofern eine Befreiung erteilt wurde, ist ein Schädlingsbekämpfer mit der Entfernung des Nestes zu betrauen. In manchen Fällen können die Tiere sogar erfolgreich umgesiedelt werden. Das geht aber oft nur bei gut zugänglichen und relativ kleinen Nestern.

Für die Bekämpfung von Wespennestern der Arten Deutsche Wespe und Gemeine Wespe ist keine Genehmigung von der unteren Naturschutzbehörde einzuholen. Trotzdem sollte man genau prüfen, ob das Nest wirklich entfernt werden muss oder ob man sich bis zum Herbst, bis das Nest verlassen wird und die Tiere absterben, nicht einfach mit der Situation arrangieren kann. Oft helfen einfache Mittel wie Fliegengitter und Achtsamkeit, um Konfliktsituationen zu vermeiden.

Übrigens, die untere Naturschutzbehörde (uNB) berät Sie gerne zu dem Thema. Sie ist aber keine Firma für Schädlingsbekämpfung und ist daher auch nicht für Bekämpfungsmaßnahmen zuständig. Sollte die uNB zu dem Schluss kommen, dass eine Befreiung erteilt werden kann, so bittet sie darum, zu beachten, dass die Erteilung aus verwaltungstechnischen Gründen bis zu 1 Woche dauern kann. Und noch etwas: ein seriöser Schädlingsbekämpfer schreitet erst nach Vorlage der schriftlichen Befreiung zur Tat.

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Arten und ihre Gewohnheiten

In Deutschland ist zwar die Bekämpfung der besonders geschützten Kreiselwespen und Knopfhornwespen verboten. Mit diesen Arten kommt es jedoch auch kaum zu konfliktträchtigen Situationen. Kreiselwespen leben in Kolonien, jedoch baut jedes Weibchen seine eigene Brutröhre. Zudem werden für die Brutröhren offene Sandböden benötigt, die meistens nicht in Hausgärten anzutreffen sind. Knopfhornwespen leben solitär und nutzen Blätter zur Eiablage. Die Tiere halten sich meist in Baumkronenhöhe auf und kommen daher nur selten in Kontakt mit Menschen.

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Bei den Arten, die das größte Konfliktpotential aufweisen, handelt es sich meist um die Deutsche Wespe und die Gemeine Wespe (Gattung Kurzkopfwespen). Sie bauen ihre großen Nester nicht nur gerne in Siedlungsbereichen, sondern bedienen sich auch mit Vorliebe an süßen und herzhaften Speisen und Getränken. Sie können durchaus penetrant sein und zeigen auch außerhalb des Nestbereiches ein gewisses Aggressionspotential. Bei Nestern an unproblematischen Stellen (etwa unter dem Dachgiebel) kann aber auch hier meist auf eine Bekämpfung verzichtet werden. Mit anderen Arten der beiden Gattungen Lang- und Kurzkopfwespen kommt es nur selten zu Konflikten zwischen Mensch und Tier.

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Neben den beiden häufigsten Wespenarten leben auch die weniger bekannten Feldwespen sozial und bauen Nester mit der typischen Wabenstruktur. Diese sind allerdings ohne schützende Hülle und viel kleiner, da auch die Völker deutlich geringere Individuenzahlen aufweisen. Zudem sind Feldwespen sehr friedfertig und eine Bekämpfung nicht notwendig.

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Die Hornisse ist die größte Wespenart und mit einer Länge von bis zu 35 mm sehr imposant. Trotz oder gerade aufgrund ihrer Größe haben Hornissen ein deutlich geringeres Aggressionspotential als die Gemeine und die Deutsche Wespe. Nur wer sich im unmittelbaren Nestbereich aufhält, wird sorgsam beobachtet und möglicherweise attackiert, wenn sich die Tiere bedroht fühlen. Ansonsten sind Hornissen sehr friedlich und als Hauptfeind von Wespen überaus nützlich. Sie sollten daher gern gesehene Gäste sein. Süße und herzhafte Speisen und Getränke interessieren sie nicht, daher werden die Tiere nicht lästig. Da die Art jedoch auch nachtaktiv ist und sich auf der Jagd nach Insekten von Lichtquellen angezogen fühlt, sollte man in den Abendstunden Lichtquellen in Verbindung mit offenen Türen und Fenstern vermeiden. Ansonsten kann es sein, dass die Tiere ins Haus geflogen kommen und den Ausgang nicht mehr alleine finden. Hat sich ein Tier in die Wohnung verirrt, am besten das Licht löschen und das Fenster weit öffnen, sodass das Tier hinausfliegen kann.


Bienen und Hummeln sind als Bestäuberinsekten unverzichtbar. Sie sammeln Blütennektar und Pollen und tragen ihn in ihre Nester, um damit die Larven zu füttern und Vorräte anzulegen. Dabei tragen sie auch Pollen von Blüte zu Blüte und sorgen so für die Bestäubung vieler (Nutz-)Pflanzen. Ohne ihre Arbeit müsste der Mensch auf Früchte wie Äpfel, Kirschen & Co. verzichten. Neben Hummeln und den Honigbienen leisten auch zahlreiche Wildbienenarten einen wichtigen Beitrag zur Bestäubung zahlreicher Blütenpflanzen.

Während Hummeln bereits zwischen Ende August und Anfang September verenden und nur die frisch geschlüpften Jungköniginnen den Winter überdauern, überleben Honigbienen als gesamtes Volk. Dieses wird lediglich etwas kleiner. Im Spätsommer schlüpfen sogenannte Winterbienen, die den Bienenstock im Winter bewohnen. Sie ernähren sich von eingelagertem Honig und Pollen. Im Frühjahr helfen sie, den neuen Stock aufzubauen.

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Tipps für ein friedliches Miteinander

Bei Wespen- und Hornissennestern auf dem heimischen Grundstück reagieren viele Menschen verunsichert, da sie nicht wissen, wie sie am besten mit dieser Situation umgehen sollen. Oftmals ist eine Bekämpfung gar nicht notwendig. Bereits einfach Maßnahmen verhindern die meisten Konflikte.

- Um zu verhindern, dass regelmäßig Tiere ins Haus gelangen, reicht es oft schon aus, die betroffenen Fenster mit handelsüblichen Fliegengittern zu versehen. Diese kann man kostengünstig im Baumarkt erwerben. So kann man lüften, ohne dass sich Tiere ins Haus verirren.

- Befindet sich ein Hornissennest in der Nähe, sollte man in den Abendstunden Lichtquellen in Verbindung mit offenen Türen und Fenstern vermeiden (sofern keine Fliegengitter angebracht sind).

- Bei Nestern am Boden (z.B. Hummeln) oder in Bodennähe empfiehlt es sich, die direkte Einflugschneise in einem Abstand von 2-3 Metern zu umgehen und Störungen (z. B. Rasenmähen) zu vermeiden. An Stellen mit erhöhtem Publikumsverkehr (etwa an einer Straße) lohnen sich auch etwas Flatterband und ein Hinweisschild. Aus sicherer Entfernung kann man den Tieren dann problemlos „bei der Arbeit“ zuschauen.

- Decken Sie Speisen und Getränke im Freien ab und stellen Sie alternative Futterquellen (z. B. halbierte Trauben) in einigem Abstand zur Verfügung.

- Bewahren Sie Ruhe und vermeiden Sie hektische Bewegungen.

Weitere Informationen zu den häufigsten Arten finden Sie kompakt zusammengestellt in unserem Faltblatt, das wir für Sie zum Download bereitgestellt haben.

Siehe auch:

Dokumente:


Rechtsgrundlagen:

  • Anlage 1 Bundesartenschutzverordnung (BArtSchV)
  • §§ 7, 44 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG)

Gebühren/Kosten:

Die Erteilung einer naturschutzrechtlichen Befreiung ist gebührenpflichtig.

Öffnungszeiten:
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  • zuständig:
  • Amt für Umwelt und Verkehrsplanung (61)
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