Aktuelles aus dem Kreishaus

Telefonreanimation

(Meldung vom 04.12.2018)
Telefonreanimation

Disponent rettet aktiv Leben

Kreis Heinsberg. Wie lang liegt Ihr letzter Erste-Hilfe-Kurs schon zurück? Sind Sie noch sicher in den üblichen Handgriffen oder gar der Reanimation mit Beatmung und Herzdruckmassage? Die Wenigsten könnten diese Frage mit einem „Ja“ beantworten berichtet Leitstellendisponent Sebastian Hönigs vom Feuerschutzzentrum in Erkelenz.

Aufgrund dieser Erkenntnis unterstützt die Leitstelle bei Notrufen immer häufiger anhand der leitstellengeführten Reanimation. Zuletzt konnte Sebastian Hönigs, der 15 Jahre als Rettungsassistent tätig war und seit vier Jahren als Leitstellendisponent Notrufe entgegennimmt, einem jungen Mann so das Leben retten. Der 58-jährige Patient war beim Tischtennis-Spiel in der Halle umgefallen. Er erlitt einen Herzinfarkt und lief blau an. Über das Telefon leitete der 38-Jährige den Anrufer zur Kompression an. Aufgrund der schnellen Maßnahmeneinleitung musste der Patient schon am gleichen Abend nicht mehr beatmet werden. „Bei einem Kreislaufstillstand sind die ersten Minuten entscheidend. Eine frühzeitige Reanimation verdoppelt bis verdreifacht die Überlebenschance. Daher ist es nur folgerichtig, die ersten Maßnahmen sofort einzuleiten, statt bis zu zehn Minuten zu warten, bis der Rettungswagen vor Ort ist“, so Hönigs. Neben der fachlichen Anleitung hilft dem Anrufer außerdem ein Signalton beim erforderlichen Rhythmus der Herzdruckmassage.

Da alle Leitstellendisponenten über die Kenntnisse eines Rettungsassistenten verfügen, können sie als Experten in sämtlichen medizinischen Notfällen zur Hilfestellung anleiten. Diese Unterstützung leisten die Disponenten nicht nur bei Reanimationen. „Das kann auch das Stillen einer Blutung sein oder Hilfe bei einer anstehenden Geburt“, so Hönigs. Neben der fachlichen Anleitung im jeweiligen Notfall sei bei dem Anrufer außerdem der psychologische Effekt der Unterstützung am Telefon positiv zu bewerten. Er fühle sich durch den Beistand nicht allein gelassen, habe weniger Angst etwas falsch zu machen und sei entschiedener, erste Maßnahmen einzuleiten. Im Durchschnitt zählt die Leitstelle rund eine geführte Reanimation in der Woche.

Um die entsprechenden Anleitungen noch effektiver zu machen, arbeitet man derzeit an der Entwicklung eines Systems, das es der Leitstelle ermöglicht, nach Zustimmung des Patienten auf dessen Handy zuzugreifen und die Kamera zur Kommunikation zu nutzen. So können sich die Disponenten in Zukunft ein noch besseres Bild von der Lage machen.
« zurück